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„Ich war so naiv“ – Messner verschenkte sein Millionen-Vermögen

Reinhold Messner, der legendäre Bergsteiger, hat sein ganzes Vermögen verschenkt und bereut es jetzt. Seine Aussagen werfen Fragen zur Naivität des Gebens auf.

Von Felix Braun21. Juni 20263 Min Lesezeit
Aktueller Stand

Reinhold Messner, der legendäre Bergsteiger, hat sein ganzes Vermögen verschenkt und bereut es jetzt. Seine Aussagen werfen Fragen zur Naivität des Gebens auf.

In einem bescheidenen Raum in seinem Heimatdorf Flessen, umgeben von Erinnerungen an grandiose Besteigungen, spricht Reinhold Messner über eine Entscheidung, die ihn seit Jahren beschäftigt. Er erzählt von den Momente, in denen er sein Millionen-Vermögen verschenkte – nicht an eine Stiftung oder für einen guten Zweck, sondern an Freunde, Bekannte und in einige verworrene Projekte. "Ich war so naiv", sagt er, die Augen voller Bedauern und vielleicht auch einer Prise Selbstzweifel.

Eine Legende im Zwielicht

Messner ist mehr als nur ein Bergsteiger; er ist ein Mythos. Als erster Mensch, der alle 14 Achttausender bestiegen hat, hat er sich nicht nur einen Platz in den Geschichtsbüchern erobert, sondern auch ein Leben gefüllt mit Widersprüchen. Seine Leidenschaft für die Berge war stets untrennbar mit dem Streben nach Freiheit verbunden. Doch wie sieht es aus, wenn man diese Freiheit mit Geld und Besitz verbindet? Welche Verantwortung trägt man für das, was man hat? Messner stellt sich diese Fragen nun, nachdem er die meisten seiner Besitztümer verschenkt hat.

In seinen Erzählungen schwingt eine tiefe Unsicherheit mit. Der Mann, der im Angesicht des Todes mehrmals triumphierte, scheint nun mit der Frage zu kämpfen, ob er vielleicht das Wichtigste verschenkt hat: die eigene Sicherheit. Eine Sicherheit, die ihm sein Vermögen hätte bieten können. Ist es nicht merkwürdig, dass jemand, der so oft am Rand des Abgrunds stand, nun vor einer anderen Art von Abgrund steht – dem der finanziellen Obdachlosigkeit?

Das Erbe des Gebens

Messner betont, dass er das Geld nicht aus egoistischen Gründen verschenkt hat, sondern aus einem tiefen Wunsch heraus, anderen zu helfen. Diese altruistische Haltung wird von vielen bewundert, doch hinterfragt man diese Naivität. Was bleibt von einem Menschen, der sein Vermögen abgibt? Ist es wahrhaftige Großzügigkeit oder eher eine Flucht vor den eigenen Bedürfnissen?

Ein weiteres Beispiel für diese widersprüchlichen Gefühle findet sich in den Berichten über diejenigen, die von Messners Großzügigkeit profitierten. Einige empfingen seine Zuwendungen mit offenen Armen, während andere sie als selbstverständlich ansahen, als ob sie ihm mehr als er ihnen gegeben hatte. Hier stellt sich die Frage: Wo bleibt die Wertschätzung für das, was gegeben wurde? Und warum stehen wir oft vor der Herausforderung, die Geschenke, die wir erhalten, als das zu erkennen, was sie sind – unentgeltliche Angebote mit einem Hauch von persönlichem Risiko?

Reflexion und Zweifel

Die Reflexion über seinen eigenen Lebensstil und die Entscheidungen, die er traf, kommt nicht ohne Zweifel. Messner fragt sich, ob er die richtigen Menschen gewählt hat, um sein Vermögen mit ihnen zu teilen. Hat er in Menschen investiert, die seine Werte teilen oder hat er lediglich seine Ressourcen verstreut? Diese Fragen ziehen sich durch seine Gedanken und werfen ein schattiges Licht auf die vermeintlich edlen Motive seines Handelns.

Könnte es sein, dass hinter der Großzügigkeit eine tiefere Einsamkeit steht? Der Wunsch nach Wertschätzung und Anerkennung? In der Welt der Millionäre und Reichen, ist es vielleicht nicht die Angst vor dem Verlust des Geldes selbst, die uns plagt, sondern die Angst vor der Einsamkeit, die aus einem Mangel an Wertschätzung für unser Dasein resultiert.

Messners Worte laden uns dazu ein, über die Natur des Gebens nachzudenken. Ist es wirklich selbstlos, oder ist es oft auch eine Art der Selbstbestätigung? In unserer konsumorientierten Gesellschaft stellt sich die Frage, ob das Verschenken von Reichtum tatsächlich zu einem erfüllteren Leben führt, oder ob es uns lediglich mit einem Gefühl der Leere zurücklässt, wenn wir uns irgendwann fragen müssen: Was bleibt von uns, wenn wir alles gegeben haben?

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